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gehabt, die als Kindsmagd im Hauſe geblieben war. Dieſe faßte für Edith eine mütterliche Ergebenheit und ſuchte das Kind auf alle Arten, durch Bitten und Vorſtellungen, anzuhalten daß es brav und ge⸗ horſam ſein ſolle, bekam aber immer zur Antwort: „Mama ſchlägt mich wenn ich auch noch ſo artig bin, und deßhalb will ich lieber ungehorſam ſein.“ Weder die Bitten der Amme noch die Strafen der Mutter konnten ſie beſtimmen das Wort Papa auszuſprechen. Sie nannte den Vater nur er oder der Herr. Aberney dagegen nannte ſie immer Vater. Tante Aberney und Papa Aberney waren für Edith Ideale und, mit Einrechnung der Amme, die einzigen Perſonen gegen welche ſie artig und ge⸗ horſam zu ſein ſich bemühte. Frau Aberney wurde durch die Amme von Ediths unglücklicher Stellung im Hauſe unterrichtet, und beſann ſich lange wie ſie dieſelbe verändern könnte, eſonders da Edith jezt neun Jahre alt war und noch nicht um Unkerricht ihrer Schweſter hatte Theil nehmen dürfen. Ihr ganzes Wiſſen beſchränkte ſich auf das was die Amme ihr beigebracht hatte. De⸗ bora hatte mehrere Male zu Roſa geſagt daß ſie ſehr Unrecht thue das Kind ſo zu vernachläßigen, aber immer eine Antwort erhalten welche deutlich anzeigte daß ſie ihre Kinder ohne fremde Einmi⸗ ſchung zu erziehen wünſche, und daß Debora ſich in dieſem Fall nicht um ihr Thun und Laſſen zu be⸗ kümmern brauche, da Roſa ſich nie Bemerkungen über die Art und Weiſe erlaube wie ſie ſelbſt ihren Mutterpflie achkomme.— Sowohl Debora als Aberney hätten Ehrmanns Aufmerkſamkeit darauf


