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daß der Junge, falls er Luſt dazu hätte, dereinſt die Apolheke übernehmen ſollte, was ebenfalls dazu beitrug daß Ehrmann ihn mit einer an Schwäche grenzenden Zärtlichkeit verhätſchelte, während er ſeine Tochter Harm ſtreng behandelte und nach Edith ganz und gar nicht fragte. Nie wurde leztere von dem Vater angeredet, ſondern er beantwortete ihren WMorgengruß nur mit einem ſtummen Kopfnicken.
Edith war ganz rechtlos im elterlichen Hauſe. Die Mutter liebte mit leidenſchaftlicher Heftigkeit ihr älteſtes Kind und widmete ſich ihm ſo ausſchließlich daß ihr für die jüngſte Tochter keine Zärtlichkeit übrig blieb.
Ehrmann war nach Ediths Geburt noch ſtren⸗ ger gegen ſeine Frau geworden, und ſo kam es daß Roſa in ihrem großen Unperſtand das Kind als die Urſache ihres vergrößerten Unglücks betrachtete und einen wirtlichen Widerwillen gegen das Mädchen PVom Vater behandelt wie wenn ſie gar nicht',
vorhanden wäre, von der Mutter mit zügelloſer Heſtigkeit zurückgeſtoßen, verfloß Ediths erſte Kind⸗ heit ſehr traurig. Wenn der Vater in Zorn gegen die Mutter aus ach mußte Edith jedesmal die Fol⸗ gen e ertragen welchen Roſa gegen ihren Mann nicht auszulaſſen wagte. Oft wurde e lediglich darum gezüchtigt weil Roſa ſonſt Nie⸗ mand zu tyranniſiren hatte. Harm war unzertrennlich von der Mutter. Bei allen Vergnügungen und Zerſtreuungen mußte ſie dabei ith kam ſelten aus dem Hauſe. Der ſie beſuchen durſte, war die Aber⸗


