Teil eines Werkes 
Der Rechte : Erzählung : 3. Band (1864)
Entstehung
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unüberwindlicher Beharrlichkeit meine Gedanken bei dir; ein beſtändiges Verlangen herrſchte in mir, das zu thun, was Du billigen, und zu vermeiden, was Du tadeln möchteſt. Mein Benehmen gegen Allon wurde dadurch unſicher. Ich fürchtete den Aus⸗ bruch ſeiner Gefühle, ich erkannte, daß die meinigen niemals dieſelbe Form, wie die von ihm, amehmen könnten, und ſcheute vor allen Aeußerungen der Zärt⸗ lichkeit von ſeiner Seite zurück. Dieſe Eigenheit in meinem Innern erkläre ich mir als eine Folge davon, daß mein Herz noch nicht entwickelt wäre. Den einen Augenblick glaubte ich für Allon's Glück leben und wirken und durch alle möglichen Opfer ſeine Liebe vergelten zu wollen; aber den andern hegte ich Ver⸗ langen, vor ihm zu fliehen und ſomit der Plage, ihn von ſeiner Liebe ſprechen zu hören, mich zu überheben. So ſah es in meinem Innern aus, als ich plöblich beſchloß, dem Unſichern in Allon's Lage dadurch ein Ende zu machen, daß ich dir meine Hand anbot. Stephan, hätteſt Du damals mit Ja geantwortet, ich wäre ſicherlich über den wirklichen Zuſtand meines Herzens plötzlich aufgeklärt worden; aber jetzt ver⸗ wundete deine Znrückweiſung meine Eigenliebe, meine Eitelkeit und mein Herz. Unter dem Eindruck dieſer bittern Empfindungen gab ich mir von dem, was in meiner Seele ſonſt vorging, keine genaue Rechenſchaſt, ſondern reichte Allon meine Hand. Als ich dir meine Verlobung eröffnete, kam es mir einen Augenblick vor, als wäre ich nun darüber aufgeklärt, wem meine Liebe gehörte, aber im nächſten verwarf ich dieß als unmöglich. Nein, Allon war es, den mein Herz lieb hatte. Als Allon's und mein Schickſal vereint waren, legte ich mir auf dem Grabe meiner Mutter das Verſprechen ab, ihn treu zu lieben. Das erſte