Teil eines Werkes 
Der Rechte : Erzählung : 3. Band (1864)
Entstehung
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blicke gegeben, da ich eine thörichte Einbildung mir zuflüſtern ließ, meine Liebe fände Erwiderung, obwohl Du gleich mir derſelben entgegenarbeiteteſt. Die Phan⸗ taſie hatte mit meinem Herzen ihr Spiel getrieben und mich auf den Gedanken gebracht, daß es möglich wäre, durch die Liebe dich der Veredlung entgegenzu⸗ führen. Ich hatte von dem Glück, geliebt zu werden, geträumt, und Du vernichteteſt meinen Traum und zeigteſt mir, daß ich mich betrogen habe.

Nein, Du hatteſt dich nicht betrogen, flüſterte Gurli;auch mein Herz war von den Kinderjahren ganz bewußtlos dir zugethan. Ich dachte nicht darüber nach, ich fühlte nur einen bittern Verdruß darüber, daß Du auf mich Nichts hielteſt. Als ich, ein junges Mädchen, dich und Allon wieder ſah, empfand ich daſſelbe Mißvergnügen, dieſelbe Erbitterung, wie in den Kinderjahren, bei dem Gedanken, für dich gar Nichts zu ſein. Es kam mir wie eine Erleichterung vor, als Allon mir zeigte, daß er wenigſtens die Feh⸗ den der Kindheit vergeſſen hätte und jetzt Zuneigung zu mir empfände. Es ſchmeichelte meiner Eigenliebe, mich von ihm geliebt zu ſehen, und ich beſchloß, daß er und kein Anderer mein Herz erhalten ſollte. Ich bildete mir ſelbſt ein, meine Zärtlichkeit wäre ihm ausſchließlich zugewendet. Ich hing auch innig an Allon, darum weil ich ſah, wie theuer ich ihm war, und glaubte am Ende ſelbſt, er ſei es, den ich liebe. Deſſen ungeachtet wurde ich von einem geheimen unertlärlichen Gefühl zu dir hingezogen. Dieß erweckte oft in meiner Seele den Wunſch, Du möchteſt freund⸗ lich gegen mich ſein; aber wenn ich mich bei derglei⸗ chen Empfindungen überraſchte, ſo ſuchte ich mich zu bereden, daß es nur verwundete Eigenliebe wäre, welche dieſelben hervorrief. Indeſſen weilten mit

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