Teil eines Werkes 
Der Rechte : Erzählung : 3. Band (1864)
Entstehung
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auf welchen mein Streben niemals ſich richtete, zu Dank verpflichtet worden wäre. Du mit deinem arg⸗ wöhniſchen Gemüth hätteſt in unſerer Verbindung nichts als eine eigennützige Calculation von mir ge⸗ ſehen. Ich dagegen war zu ſtolz, um eine Liebe, die mir ſelbſt heilig war, herabzuſetzen. Ich konnte nicht einmal den Gedanken ertragen, ſolchergeſtellt dein Gatte zu werden, beſonders da ich vollkommen über⸗ zeugt war, daß Du deine Zärtlichkeit Allon geſchenkt hatteſt. Ich ſtellte mich, als ob ich nur deine Fehler ſähe, und um die wirkliche Natur meiner Gefühle zu verbergen, wurde ich bitter gegen dich. Wenn Du das Geheimniß meines Herzens argwöhnteſt, beſorgte ich, würdeſt Du die Kenntniß davon benützen, um nach Willkür deine Macht über mich zu mißbrauchen.

Ach, Stephan, Du hielteſt mich alſo für recht gottlos. Wie war es dann möglich, eine Perſon zu lieben, von welcher Du ſo ſchlecht dachteſt?

Was Du ſagſt, habe ich mir ſelbſt tauſendmal vorgehalten; aber mein Herz gab keine andere Ant⸗ wort darauf, als daß es dich liebte.

Stephan legte ſeinen Arm um Gurli's Hüfte und fuhr fort, indem er ſie feſter an ſich drückte:

Du wirſt niemals verſtehen, wie viel Leid meine Liebe zu dir geſchaffen hat, und welchen harten Pro⸗ ben meine Standhaftigkeit unterworfen wurde, als Du mich fragteſt, ob ich dich nicht zur Frau nehmen wollte, und dennoch verrieth ich nicht, wie unendlich theuer Du meinem Herzen warſt. Ein einziges Mal hätte mein Gefühl mich beinahe fortgeriſſen, und dieß geſchah, als Du mir deine Verlobung mit Allon an⸗ zeigteſt. Ich hatte die letzten Wochen vor dem Tage, da Du dieſen wichtigen Schritt thateſt, zu zweifeln angefangen, daß Du ihn liebteſt. Ja es hatte Augen⸗