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Tageslicht; aber zugleich warſt Du auch mein größter Plagegeiſt. Ich hing an dir, ohne zu begreifen, warum. Mein Verſtand bebte zurück vor deiner Bosheit, deiner Wildheit und deinen Launen. Du kamſt mir vor wie etwas Böſes, vor dem ich eben, weil es mir ſo über⸗ aus werth war, fliehen mußte.“
„Und als Jüngling,“ fiel Gurli ein,„wie haſt Du mich da angeſehen?“
„Als das verkörperte Bild von allen meinen Lei⸗ den. Du bezauberteſt mein Auge und mein Herz, aber Du ſcheuchteſt mich von dir durch die Wunden, die Du beſtändig meinem Stolze ſchlugeſt. Du warſt für mich eine Miſchung von ſo unheilbringenden Eigen⸗ ſchaften, daß ich die Macht, welche Du über mein Ge⸗ fühl ausübteſt, fürchtete und all meinen Willen auf⸗ bot, um ihr entgegenzuarbeiten. Ich wollte Kennt⸗ niſſe ſammeln, um mich über dich zu erheben. Ich arbeitete, um mich nach meiner äußern Erſcheinung, wie nach meinem innern Weſen zu entwickeln, um ein Mann zu werden, der im Bewußtſeyn ſeiner höhern Menſchenwürde bei deinen Angriffen lächeln und eines Tags als deiner Achtung würdig vor dich treten könnte. Deine Liebe war Etwas, wornach ich niemals ſtrebte, denn ich erkannte mit Schrecken, daß, wenn Du mir dieſelbe ſchenkteſt, alle meine Geiſteskraft ge⸗ brochen und ich in deinen Sklaven verwandelt würde.“
„Und dieß, Stephan, wollteſt Du nicht werden, und darum hielteſt Du auch als Mann an deinem feſt, dich mir nicht zu nähern?“ bemerkte
urli..
„Ja, mehr als je. Falkenſtern hatte durch den Ausſpruch ſeines letzten Willens uns zuſammenzu⸗ führen geſucht. Die Erfüllung ſeines Wunſches würde dahin geführt haben, daß ich dir für einen Reichthum,
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