Teil eines Werkes 
Der Rechte : Erzählung : 3. Band (1864)
Entstehung
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Siehſt Du darin nicht den Gang der ewigen Gerechtigkeit? fragte Tante Katharina.Wie viel Unheil würde der ſcheinheilige Burſche nicht noch an⸗ gerichtet haben, wenn er dort daſſelbe ſchändliche Spiel, welches er hier trieb, fortgeſetzt hätte.

Das iſt wahr. Immer aber weiß ich noch nicht, wer es geweſen, der alle die Schelmenſtücke, die er ſich hier als Prieſter in der Gemeinde erlaubte, an's Licht gezogen hat.

Das war im Grunde ich, antwortete Tante Katharina;ich habe herausgebracht, wie der Prieſter ſich zum Nutzen, den Armen zum Schaden, die für letztere beſtimmten Gelder in ſeine Taſche ſchob und ihnen dafür von Selbſtverleugnung und Unterwürfig⸗

keit vorpredigte, während er ſelbſt nicht im Mindeſten

daran dachte, ſich irgend etwas zu verſagen; aber daran war es noch nicht genug: er beſchwatzte die

Leichtgläubigen, daß ſie ihre kleinen Erſparniſſe zu

ihm hintrugen, um ſie von ihm aufbewahren zu laſſen, in der Erwartung, ſie würden in ſeiner Hand ihnen um ſo größern Segen bringen. Der Prieſter empfand jedoch keine Luſt, das, was er einmal in ſeinen Klauen

hatte, wieder herauszugeben, und daher kam es, daß

diejenigen, welche ihr Geld zurück haben wollten, ſich mit ſeinen Worten begnügen mußten. Auf dieſe Weiſe geriethen ein paar arme Wittwen in ſolche Noth, daß ſie zum Bettelſtab greifen mußten. Sie wagten jedoch, aus Furcht vor dem Prieſter, nicht, von der Sache zu reden, aber ich lockte zuletzt die Wahrheit aus ihnen heraus, und dann fiel es nicht ſchwer, mehre der⸗ gleichen ſchöne Züge von ihm an den Tag zu bringen. Während Gurli fort war und auf Madame Teverino's Rechnung in Gewahrſam gebracht wurde, legte ich die Sache dem Oberpolizeibeamten in die Hand. Es kam