43
daran befindlichen Berloquen vom Tiſche herunter⸗ zureißen.
Endlich war ſie los, äußerte gegen Lotta einige freundliche und ſcherzhafte Worte über die Unord⸗ nung, die ſie hier angerichtet, und ſetzte dann mit einem eigenthümlichen Lächeln hinzu:
„Sie brauchen, Mamſell Lotta, nichts davon zu ſagen, daß ich hier geweſen; und Sie können Ihrer⸗ ſeits dann auch vollkommen darüber beruhigt ſeyn, daß ich Nichts von dem, was ich hier geſehen habe, erwähnen werde.“
Damit war Madame Teverino fort, und Lotta fühlte ſich nichts weniger als wohl bei der Sache. Sie blieb auch, als die Italienerin ſich entfernt hatte, nicht länger in dem Zimmer, ſondern eilte, nachdem ſie den Schreibtiſch wieder verſchloſſen und den Schlüſſel in das Schubfach des Toilettentiſches gelegt hatte, hinunter, um den geſtohlenen Brief, welcher Tags zuvor von Walter an Gurli eingetroffen war, zu ver⸗ ſiegeln und fortzuſchicken.
XV.
Während Madame Teverino und Lotta dieſe kleine Komödie unter vier Augen ſpielten, ging Gurli mit haſtigen Schritten der Fiſcherhütte zu.
Ihr Ausſehen zeugte von Mißvergnügen, war aber gleichwohl ruhig.
„ Es kam der jungen Frau vor, als ob ſie ſeit ihrem nächtlichen Beſuch an der Mutter Grabe zu einer klarern Auffaſſung ihrer eigenen Lage und einer


