Lotta fuhr zuſammen, ſchloß haſtig die Klappe wieder und drehte ſich um, indem ſie den Brief, wel⸗ chen ſie in der Hand hielt, unter der Schürze zu ver⸗ bergen ſuchte.
Die gnädige Frau hat ihre Uhr mitgenommen,“ ſtammelte ſie und vergaß in ihrer Beſtürzung, na der auf dem Schreibtiſch befindlichen Stußuhr zu deuten. Ihr einziger Gedanke war, auszuforſchen, ob Madame Teverino von dem Beſuch, den Lotta den Schubfächern ihrer Gebieterin machte, Etwas bemerkt hätte; aber ebenſo leicht wäre es ihr geweſen, die grauen Steinmauern von Birgersborg nach dem zu
fragen, was im Laufe der Zeit innerhalb ihres Be⸗
reichs vorgefallen, als aus dem Geſichte von Madame Teverino herauszubringen, was ſie geſehen oder nicht geſehen hätte.
„Das iſt verdrießlich,“ äußerte die letztere, welche gleichfalls ihre Gründe hatte, ſich zu ſtellen, als ob ſie die Stutzuhr nicht bemerkte, und machte eine Be⸗
wegung, wie wenn ſie wieder gehen wollte. Indeſſen
fiel ihr Blick noch zufällig auf den Toilettentiſch und
ſie rief: „Liegt da nicht die Uhr der gnädigen Frau?“ Ohne eine Antwort abzuwarten, ging ſie darauf
zu, um ſich zu vergewiſſern, wie viel es an der
Zeit ſey. Lotta benutzte dieſe Gelegenheit, um den Brief
in ihre Taſche zu prakticiren— eine Bewegung, welche
Madame Teverino im Spiegel deutlich wahrnahm. Aber jetzt war dieſe mit den Franſen an ihrem Shawl in Gurli's Uhrkette hängen geblieben und mußte alſo
Lotta zu Hilfe rufen, um nicht die Uhr ſammt allen


