Teil eines Werkes 
Der Rechte : Erzählung : 3. Band (1864)
Entstehung
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griff nach Hut und Mantel und ſtieg ſofort die Treppe hinab. Hier begegnete ſie Madame Teverino, welche ihren gewöhnlichen Morgenſpaziergang vorzunehmen beabſichtigte; aber nachdem einige kalte Höflichkeits⸗ bezeugungen mit Gurli ausgewechſelt worden waren, wieder umkehrte. Die Luſt war ihr, ſagte ſie, zu und ſie mußte deßhalb einen wärmeren Shawl holen.

Der Anblick der Italienerin machte auf Gurli einen höchſt unangenehmen Eindruck. Der Auftritt mit ihrem Mann am vergangenen Abend drängte ſich lebhaft ihrer Erinnerung auf.

Ohne das geringſte Gewicht auf das, was Ma⸗ dame Teverino äußerte, zu legen, war Gurli ihres Wegs durch den Garten fortgegangen und hatte ſich dann nach dem Park gewendet.

Madame Teverino hingegen blieb, als ſie in das Veſtibule gelangt war, ſtehen und horchte auf das Geräuſch von Gurli's Schritten.

Als daſſelbe verſtummt war, öffnete ſie die Thüre zu Gurli's Privatwohnung und trat in den kleinen Salon. Sie eilte durch denſelben und machte vor⸗ ſichtig die Thüre des Toilettenzimmers auf.

Ihre Bewegungen waren ſo lautlos geweſen, daß Lotta, welche ſich in demſelben Gemache befand, nicht das Mindeſte von dem Eintritt einer Perſon hörte.

Die Kammerjungfer ſtand vor Gurli's Schreibtiſch, deſſen Klappe ſie zur Hälſte geöffnet hatte, und war damit beſchäftigt, einen friſch erbrochenen Brief mit ausländiſchem Poſtzeichen herauszunehmen. Gerade, als ſie denſelben in ihrer Hand hielt, äußerte eine Stimme hinter ihr:

„Entſchuldigen Sie, Mamſell, welche Zeit iſt es? Meine Uhr iſt ſtehen geblieben.“