Teil eines Werkes 
Der Rechte : Erzählung : 3. Band (1864)
Entstehung
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1.

Und nun beſchloß eine jede für ſich ſelbſt, Gurli auf eine feine Weiſe zu verſtehen zu geben, daß ſie betrogen würde; aber das Reſultat war, daß man mit Gurli unmöglich ſo weit kommen konnte.

Sobald man das Geſpräch nur ihren Mann bringen wollte, nahm ſie eine ſo vornehme Miene an, daß demjenigen, welcher darauf zu reden kam, alle Luſt verging, dieſes Thema zu verfolgen.

Die Herren dagegen äußerten unter einander:

Iſt Herr von Stral ein Narr, daß er ſich von der ſchwar zen Nachtigall dermaßen bethören läßt, während er eine ſo ſchöne und pikante Frau hat? Wenn man ſo ſieht, wie viel er ſich immer mit der Teverino zu ſchaffen macht, ſo wird man wirklich von dem lebhöfteſten Verlangen ergriffen, bei der betro⸗ genen und verlaſſenen Frau den Liebenswürdigen zu machen.

Wenn nun aber einer der Herren ſich beikommen ließ, Gurli einige ſeiner Fadaiſen zuzuf lüſtern, ſo be⸗ gegnete er einem ſo höhniſchen Lächeln auf ihren

Lippen und bekam ſo unbarmherzige Sarkasmen zur Antwort, daß er alle Luſt verlor, den Tröſter zu ſpielen.

Gurli faßte ihre Stellung ganz richtig auf, und es entging ihr nicht, daß ſie ein Gegenſtand des Mit⸗ leids war. Sie hatte darum feſt beſchloſſen, jede Aeußerung deſſelben, unter welcher Form es auch auftreten möchte, zurückzuweiſen. Sie verdoppelte die Aufmerkſamkeit gegen ihren Mann und legte ein erhöhtes Intereſſe für die Teverinos an den Tag.

So verging einige Zeit.

Allon, der von Amy nicht ſo viel Aufmerkſamkeit empfing, um ſich dadurch geſchmeichelt zu fühlen, be⸗ gann Gurli wieder größere Beachtung zu ſchenken, in