Teil eines Werkes 
Der Rechte : Erzählung : 3. Band (1864)
Entstehung
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Gurli war aber trotz dieſes Mangels eine ſehr angenehme Wirthin. Sie war die ſchönſte von allen in Birgersborg verſammelten Damen, und dabei heiter, witzig und unterhaltend wenn ſie es ſeyn wollte.

Seit ihrer Verheirathung befliß ſie ſich in ihren Manieren einer größern Artigkeit, als früher; gleich⸗ wohl behielt ſie ihre alte Ungezwungenheit bei, welche zuweilen bald einen Anſtrich von Eigenmächtigkeit, bald von Uebermuth annahm.

Gegen Allon war ſie fortwährend eitel Kälte, aber dafür auch nachgiebiger gegen ſeine Wünſche, als vordem, und ſuchte mit wirklich feinem Takt den⸗ ſelben entgegenzukommen, ehe ſie ausgeſprochen wurden. Man ſah, daß ihr ernſtlich daran lag, ihrem Gatten alle die äußere Aufmerkſamkeit zu erweiſen, auf welche er Anſpruch machen konnte.

Auch Madame Teverino und deren Tochter be⸗ handelte ſie wie die übrigen Gäſte; ſie konnte ſogar mit ihnen ſich in eine längere Unterhaltung als mit Jemand anders einlaſſen, ſo daß man ſich über das Intereſſe, welches Gurli denſelben bezeigte, nur ver⸗ wunderte.

Nach der allgemeinen Anſicht hätte ſie gegen Per⸗ ſonen, welche ihren Rechten allzu nahe zu treten ſchienen, am allerwenigſten artig ſeyn ſollen.

Die in Birgersborg als Gäſte anweſenden älteren Frauen bemerkten unter einander:

Unbegreiflich, daß Gurli nicht ſieht, wie bezaubert ihr Mann von Signora Teverino iſt. Ihr Benehmen erſcheint ſehr ſonderbar. Kann ſie ſo blind ſeyn, daß ſie nicht wahrnimmt, wie er ganz und gar in dem Netz der Sängerin gefangen iſt? Man muß ihre Auf⸗ merkſamkéit darauf lenken. Es iſt recht empörend, daß ihr Niemand die Augen öffnen will.