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Stielen ſich erhoben. Es war eine vollſtändige Ruhe in dem Reiche der Natur; ſelbſt die Schaar der Vö⸗ gel hatte zu ſingen und zu zwitſchern angehört.
Man ſah Gurli an, daß ſie mit vollen Zügen den Frieden des Augenblicks genoß. Eine Stunde war ſie bereits ſo geblieben, ohne geſtört zu werden. Sie fühlte ſich ſo ruhig im Herzen.
Das Rollen eines Wagens und der Hufſchlag von Pferden unterbrachen plötzlich das Stillſchweigen und trafen ihr Ohr. Eine Weile darauf hörte man
ein verworrenes Gemurmel von Stimmen aus dem Saale.
Gurli hatte ſich aus ihrer liegenden Haltung auf⸗ gerichtet. Sie horchte aufmerkſam auf eine der reden⸗ den Stimmen. Sie kam ihr allzu bekannt vor.
Dieſelbe äußerte ganz heiter auf franzöſiſch:
„Oh, mein Herr, man kann nicht artiger ſeyn, als Sie, daß Sie auf ſolche Weiſe Ihren Gäſten ent⸗ gegenkommen. Ich erkläre darum ganz offen, daß Herr von Stral der ritterlichſte aller ritterlichen Män⸗ ner iſt.
Gurli erbleichte. Sie hatte ſich nicht geirrt; dieſe klangvolle und muſikaliſche Stimme war diejenige— Amy's.
Ein Augenblick heftigen Schmerzes, dann ſtrömte Gurli's Blut heiß durch die Adern, und wurde dann wieder eiskalt, daß es ihr dünkte, das Herz in der Bruſt ziehe ihr zuſammen. Ihre Züge nahmen. etwas Hochmüthiges, Starres an. Sie that ein paar Schritte gegen die Thüre, welche von der Terraſſe nach dem Saale führte, blieb aber wieder ſtehen, ſchüttelte ihr lockiges Haupt und murmelte:
„Nein, ich will heute Abend ihm nicht mehr be⸗ gegnen, ſie in dieſem Augenblick nicht willkommen


