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chen, war aber ganz froh, daß es nicht geſchah, denn er glaubte an dieſem Mangel an Neugierde den iütt des Kaltſinns gegen ihren Couſin zu er⸗ ennen.
„Ja, da er nicht zu mir kommt, muß ich wohl nach ihm ſchauen und den Verſuch machen, ob ich ihn trotz ſeiner vielen Geſchäfte nicht überreden kann, ſich auf einige Tage frei zu machen.“
„Grüße Stephan,“ ſagte Gurli, reichte ihrem Mann die Stirne zum Kuß und nahm ihren Weg nach dem Park.
VII.
Mit dem Finger auf den lächelnden Lippen hatte der Sommerabend dem forteilenden Tage Lebewohl geſagt und auf einige Stunden den erledigten Thron eingenommen, um mit ſeinem Frieden und ſeiner Poeſie das Gemüth des Menſchen zu entzücken, bis die Nacht mit ihrer Mohnblüthe im Haare hervor⸗ trat, um aus ihrem dunkeln Mantel Finſterniß und Ver⸗ geſſenheit auf die Kinder der Erde herabzuſchütteln.
Auf einem der Sopha's, welche auf der Terraſſe ſtanden, hatte Gurli in halb liegender Stellung ſich niedergelaſſen. Sie ſchaute an dem ſchönen Sommer⸗ abend mit einem träumeriſchen Ausdruck auf die tief⸗ blaue Waſſerfläche und deren maleriſche Ufer hinaus.
Alles war ſo ſtill.
Keine Woge ſchlug an dem Strand, ſondern der See lag klar und blank wie ein Spiegel da; das Laub den Bäume nickte nicht mehr von ſeinen Zwei⸗ gen den Blumen zu, welche unbeweglich auf ihren


