Teil eines Werkes 
Der Rechte : Erzählung : 2. Band (1864)
Entstehung
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doch beſtreiten, daß ſie ohne Herz ſey. Mir iſt ſie immer als ein Weſen vorgekommen, welches durch eine falſche Stellung in den Kinderjahren eine ſchiefe Richtung bekommen, aber deſſen ungeachtet in ſeinem Innern eine Goldader beibehalten hat, welche ſich durch ihr ganzes Leben hindurchziehen wird.

Wenn Du Gurli's Reichthum meinſt, Mama, ſo bin ich ganz derſelben Anſicht, bemerkte Stephan lachend.Derſelbe iſt auch von der Art, daß er wohl einen Sünder in Verſuchung führen könnte, ſich von dem Golde bezaubern zu laſſen.

Gott bewahre mich, Stephan, wenn Du ſo redeſt. Ich bekomme vor Schrecken ordentlich Herz⸗ klopfen, rief Mathilde, welche noch Etwas von ihrer frühern Gewohnheit, für kränklich gelten zu wollen, an ſich hatte.Du mußt nicht an ſie denken.

Und warum nicht? MeinWohlthäter hat es mir ja zärtlich an's⸗Herz gelegt, daß ich ſeine Stief⸗ tochter zur Frau nehmen ſolite. Ein bündiger Be⸗ weis ſeiner Fürſorge für mein künftiges Glück, welche ganz der Pflege entſpricht, die er meiner Kindheit angedeihen ließ.

Stephan äußerte ſich in ſpottendem Ton. Er ſah zum Fenſter hinaus und bemerkte die Wirkung nicht, welche ſeine Worte auf die Mutter machten.

Mathilde's Angeſicht nahm einen ſchmerzlichen Ausdruck an. Es ſchien als hätte der Sohn Etwas geſagt, was ihr in der Seele wehe that.

Es entſtand eine lange Pauſe.

Als die Mutter nichts mehr redete, ſah Stephan nach ihr um. Ein paar große Thränen rollten über ihre Wangen herab. Der krampfhafte Zug um den Mund bewies, wie bitter ſie waren.

Wie, Mama, Du weinſt? rief Stephan und