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bleiben. Ich habe der Ueberzeugung gelebt, Du ver⸗ ſtändeſt, daß meine Seele, obwohl kalt und verſchloſſen, doch wenigſtens ſoweit mit Gefühl ausgeſtattet ſei, um ſch mit Freundſchaft und Dankbarkeit an meine ſo reich vegabte Lehrerin zu hängen. Nun wohl, Du biſt nicht ſcharfſinnig genug geweſen, um dieß zu entdecken, und darum ſchweigen meine Lippen. Bei dem Hingang meiner Mutter iſt es mir ſchwer gefallen, mich mit Schmeichelworten oder Zärtlichkeit Jemand zu nähern. Wir wollen ſomit annehmen, es ſei nur die Macht der Gewohnheit, welche mich zu dir hinzieht. Ja, Eliſabeth, ich fühle, daß ich mich verzehren und vor Sehnſucht ſterben würde, wenn ich nicht täglich dich zu ſehen bekäme, wenn ich nicht mit dir reden, deinen Worten lauſchen und mir irgend eine nützliche Lehre daraus einthun könnte. Studien, Muſik, Malerei, jede Beſchäftigung wäre mir gleichgültig und werth⸗ los, wenn Du nicht daran Theil nähmeſt. Bildung,
ultur, Menſchheit und Religion, Alles verlöre ſein
Intereſſe, wenn man aus meinem intellektuellen Da⸗ ſeyn dich hinwegnähme.“ BGurli ſtreckte die Hand aus und ſetzte lächelnd hinzu: „Du biſt das belebende Prinzip in meinem Geiſte. Entreiße es mir, und ich verwandle mich in eine Blödſinnige. Haſt Du mich nun verſtanden?“ „Vollkommen,“ antwortete Eliſabeth und drückte ihr die Hand mit einer Wärme, welche zu erkennen gab, daß ſie wohl einſah, wie viel ſie ihrer ehmaligen“ Schülerin war. Gurli nahm wieder das Wort; n nn, nachdem Du dir klar gemacht haſt, daß Du das unentbehrliche Element in meinem Da⸗
ſeyn bildeſt, wird auch, wie ich hoffe, deine Freund⸗
Schwartz, Der Rechte. II. 2


