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meiſten Bewohner des alten Herrenſitzes von ſo großer Bedeutung war. Walter wachte ganz allein an ſeines Herrn Seite.
Einſam in dem großen düſtern Saal im Erdge⸗ ſchoß, welcher von einer einzigen Lampe ſo erhellt
war, daß deren Schein auf das Gemälde über dem Kamin ſiel, finden wir Gurli.
Der Blick, welchen ſie auf den ausgeſtreckten Arm heftete, hatte etwas Beklemmtes. Ihr ganzes We⸗ ſen zeugte von Angſt und Schmetz.
Es ſah aus, als ob ſie von dem Gemälde die Löſung des Räthſels begehrte, von welchem ſie ge⸗ quält wurde.
Gurli war lange Zeit ſo dageſeſſen, als das Ge⸗ räuſch einer ſich öffnenden Thüre ſie beſtimmte, den Kopf umzuwenden.
Stephan kam auf ſie zu.
Ihre Augen begegneten ſich. Gurli deutete auf das Gemälde und ſagte mit leiſer Stimme:
„Stephan, dein Traum— haſt Du ihn ver⸗ geſſen?“
„Nein,“ lautete die Antwort.
„Wer war jene Frau, welche gleichſam kam, um ſeinen letzten Seufzer zu empfangen?“ begann Gurli wieder.
„Frage das Grab, Gurli; dieſes allein vermag darauf zu antworten.“
Stephan fuhr mit der Hand über die Stirne und ſetzte hinzu:
„Ich glaube noch jenen Schrei der Verzweiflung zu hören.“
„Aber wohin nahm ſie ihren Weg, wo ſie wie⸗ derfinden?“ rief Gurli und faßte Stephan am Arm.


