Teil eines Werkes 
Der Rechte : Erzählung : 1. Band (1864)
Entstehung
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chen, und Stephan kam, um Walter abzulöſen, damit derſelbe einige Stunden der Ruhe pflegen tönnte.

Falkenſtern ſchlummerte.

Gurli ſaß auf einem Schemel zu den Füßen des Bettes; Stephan ſtreckte ſich in einem Lehnſtuhl aus.

Die Dämmerung ſtand im Begriff, dem Tage die Hand zum ſchließlichen Lebewohl zu reichen, ehe die Finſterniß mit ihrem undurchdringlichen Mantel die Erde verhüllte.

In dem düſtern Krankenzimmer brannte eine Nachtlampe, welche daſſelbe nur unvollkommen er⸗ hellte und die Gegenſtände nur undeutlich erken⸗ nen ließ.

Stephan konnte mit Mühe Gurli's Geſichtszüge unterſcheiden, dennoch weilte ſein Blick mechaniſch auf denſelben.

In dieſem Augenblick vernahm man Schritte im äußern Zimmer.

Felit, welcher zu Gurli's Füßen lag, ließ ein ſchwaches Knurren vernehmen, wurde aber von Gurli ſogleich zum Schweigen gebracht; es war jedoch zu ſpät, denn Falkenſtern erwachte.

Gurli ſtand auf und beugte ſich über den Kran⸗ ken, welcher in dieſem Momente ihren Arm ergriff, ſich heſtig aufrichtete und mit weit aufgeriſſenen Augen gegen die Thüre hinſtarrte. und Stephan wandten nun auch ihre Blicke

orthin.

Auf der Schwelle ſtand eine hochgewachſene Frauengeſtalt. Der matte Schimmer der Lampe fiel S Angeſicht, das beinahe ſo dunkel war, wie die

acht. Die Frau, welche offenbar, um das Zimmer zu