Teil eines Werkes 
Der Rechte : Erzählung : 1. Band (1864)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

227

„Hätte Felir mir geantwortet, ſo würde ich Dir auch eine Antwort gegeben haben. Du, ich und Felix wären dann dem Hirtenpaar gleich geweſen, welches auf Tante Katharina's großem Fächer gemalt iſt; nun aber ſchwieg Felir, und das Hirtengedicht kann nicht ausgeführt werden.“

Mit dieſen Worten ſprang Gurli von dem Stein auf und hüpfte auf dem Wege dahin, indem ſie mit ſtarker und klarer Stimme ſang:

„Was ich gelobt, das werd'ich halten Und niemals lieben mehr als drei.“

Allon eilte ihr nach; er fühlte ſich betrübt, wagte aber nicht, das Thema wieder aufzunehmen.

Eurli ſpottete über ſein Ausſehen, ſo daß Allon für gut fand, eine heitere Miene anzunehmen.

Zwei Tage ſpäter reisten Stephan und Allon ab. Als Gurli ihnen Lebewohl ſagte, reichte ſie Stephan zuerſt die Hand und ſagte ſcherzend:

„Glück zu, daß Du Lorbeeren ernteſt und Dir Kränze windeſt.“

Dann wandte ſie ſich zu Allon:

„Ich danke Dir für dieſe kurze, fröhliche Zeit,“ ſtammelte ſie. Es glänzte etwas in ihren Augen, das einer Thräne glich.

Allon hielt ihre Hand feſt in die ſeinige geſchloſſen und ſchaute ſie mit einem Blick an, der ein ganzes Bekenntniß in ſich trug.

In der nächſten Minute rollte der Wagen davon, und die Thränen, welche an Gurli's Augenlidern hin⸗ gen, rannen jetzt die Wangen herunter.