„Liebes Kind, ich muß ſagen, ich muß ſa⸗ ß gen, daß daß ich Gott bitte, dich zu ſegnen und zu behüten!“ ſtammelte Tante Katharina, völlig aus dem Concept gebracht, um⸗ armte und küßte Gurli. Ein paar große Thränen fielen aus den Augen der Alten auf des Mäd⸗ chens Stirne nieder und dieſe ſprachen mehr als Worte.
Tante Katharina gehörte nicht zu denen, welche, wie man die Hand umdreht, weinen.
Eine Stunde darauf fuhren Gurli, Tante Katha⸗ rina, Eliſabeth und Walter zur Kirche.
Während des Gottesdienſtes ſaß Gurli mit ge⸗ ſenktem Kopfe da, ſo daß Eliſabeth unmöglich in de⸗ ren Geſichtszügen leſen konnte, was in ihrer Seele
Die zu Herzen gehende Predigt war zu Ende. Der Abendmahlspſalm begann.
Ein heftiges Zittern ging durch Gurli's Körper, als ſie den Kopf aufrichtete und den geſenkten Blick erhob; aber in demſelben Moment zuckte ſie zuſam⸗ men, drückte die Hände noch feſter in einander und ſtarrte vor ſich hin.
Ihre Augen waren auf einen Mann gefallen, welcher, an einen Pfeiler gelehnt und halb hinter demſelben verborgen, ihr gerade gegenüber ſtand.
Es war der hinterlaſſene Gatte ihrer verſtorbenen Mutter.
Die heilige Handlung war vorüber. Die Eltern. der jungen Leute, welche heute zum erſten Mal daran Theil genommen hatten, näherten ſich ihren Kindern, um ſie zu ſegnen und aus dem Tempel des Herrn nach Hauſe zu geleiten.


