Teil eines Werkes 
Der Rechte : Erzählung : 1. Band (1864)
Entstehung
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nach dem Hauptgebäude ging, um mit Gurli vor deren Abgang zur Kirche noch einige ernſte Worte zu reden, begegnete ſie derſelben im Hofe.

Gurli war ſehr bleich und ihr Auge geröthet.

„Um's Himmels willen, Kind, wo kommſt Du denn her? fragte Tante Katharina und ſah verwun⸗ dert das Mädchen an.

„Ich komme von Mama's Grabe,“ antwortete Gurli, und zum erſten Mal ſeit dem Tode ihrer Mutter reichte ſie Tante Katharina die Hand, indem ſie hinzu ſetzte:„Ich wollte Etwas von meiner Mut⸗ ter in die Kirche mitnehmen und ſo habe ich dieſes da gewählt, um es als meinen theuerſten Schmuck zu tragen.“

Sie deutete auf einen Cypreſſenzweig.

Tante Katharina ſchwieg und drückte ihr die Hand. Gurli's Blick weilte auf der alten Frau, in deren Auge eine Thräne zitterte.

Sie gingen ſchweigend in Gurli's Zimmer hin⸗ hinauf. Als ſie in den kleinen Salon traten, wo Anna während der langen Jahre ihres gelähmten Zuſtandes die Tage zugebracht hatte, ſtürzte Gurli, welche ſich ſonſt zu jeder Zeit hier aufhielt, vor dem Sopha in die Kniee und brach in heftiges Schluchzen aus. Sie weinte geraume Zeit, ſtund dann auf, trocknete ihre Thränen ab und wandte ſich zu Tante Katharina mit den Worten:

Ich weiß, Tante, daß Du mit mir reden willſt, aber ich bitte dich, ſage mir Nichts weiter, als daß du mir nicht böſe biſt; alles Andere würde ich in dieſem Augenblick nicht verſtehen, und es könnte mir nur wehe thun. Verzeihe mir, daß ich ganz anders geweſen bin, als ich ſein ſollte, und vergiß wo mög⸗ ich meine Fehler.“