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einen eigenen Charakter. Das arme Kind, ſie iſt ſo unpraktiſch, ſo völlig willenlos, daß ſie unter dem Einfluß gottloſer Menſchen ſelbſt gottlos werden müßte. Ihr Mann, ein eigennütziger und berechnender Menſch, hat demoraliſirend auf ſie eingewirkt, und ich lebe in
einer beſtändigen Angſt, er möchte ſie am Ende zu
Handlungen verleiten, welche Ehre und Rechtsgefühl mißbilligen müſſen.“
Ueber Anna hieß es:
„Sie iſt ſo ſchön, ſo heiter und ſo ſelbſtſtändig, daß man an ihr ſelbſt gegen ſeine Vernunft und Ue⸗ berzeugung Gefallen finden muß.— Mein Bruder war nicht ſehr glücklich in ſeiner kurzen Che, und es ging ihm gut, daß er ſtarb.“
Dann ſeufzte Beate und ſetzte hinzu:
„Aber es iſt nicht der Mühe werth, daran zu denken. Anna kann allerdings für ihre wandelbare
Gemüthsart nicht, obwohl man ſagen kann, daß ſie
dadurch ihren Mann ins Grab gebracht hat.“
Das Sonderbare vei ſolchen Gelegenheiten war,
daß Falkenſtern niemals, wenn von Anna die Rede war, auf das Thema ſelbſt einging; wohl aber, wenn
Mathilde auf das Tapet kam, das Geſpräch fort⸗
ſpann. Z Auch darüber war in den verfloſſenen Wochen
Walter ins Klare gekommen und beſchäftigte ſich nun
damit, ſeinen Angriffsplan zu entwerfen. Die Handwerker waren inzwiſchen mit ihrer Ar⸗ beit fertig geworden, und Beate wurde von Neuem in
volle Thätigkeit geſetzt, um mit Hülfe der Diener⸗
ſchaft die neuen Wohnungen zu möbliren und in ge⸗ hörigen
Stand zu ſetzen. Sie entwickelte dabei ſo viel Geſchmack und Gewandtheit, daß ſie die Kom⸗ plimente, welche Falkenſtern ihr machte, vollkommen


