Teil eines Werkes 
Der Rechte : Erzählung : 1. Band (1864)
Entstehung
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„O nein, das iſt wahr“, verſicherte Anna. „Ebenſo fällt es Dir nicht ſchwer, deine Fehler zu erkennen, merke ich. Laß uns jedoch für den Augen⸗ blick Frieden ſchließen und erzeige mir die Gefällig⸗ keit, einen Vorſchlag anzuhören, welchen ich Dir zu machen wünſche. In meinem Hauſe wohnt eine Frau, welche die Pflegerin meiner Kinder geweſen iſt. Ich wünſchte, daß Du ſie während des hieſigen Aufent⸗ haltes zu deiner beſonderen Bedienung nähmeſt.“ „So dankbar ich Dir für dein Anerbieten bin, muß ich doch.... „Du nimmſt es an“, unterbrach Falkenſtern ſie urz. „Es wäre Verſtellung, es abzulehnen. Im Ueb⸗ rigen, da ihr, Du und meine Couſinen, den Sommer hier zuzubringen verſprochen habt, ſo hoffe ich die Geſell⸗ ſchaft meiner Gäſte zu genießen: etwas, das mir un⸗ möglich wäre, wenn eine davon ihren Kindern ab⸗ warten wollte. Ich vermuthe, Du ſiehſt ein, daß ich Recht habe.“ Anna fühlte ſich durch Falkenſterns Art und Weiſe gereizt, konnte indeſſen das Anerbieten nicht ablehnen und antwortete darum halb ſcherzhaft, halb verdrießlich: „Obwohl ich nicht daran gewöhnt bin, mir von

Andern Geſetze vorſchreiben zu laſſen, ſo muß ich doch wohl als dein Gaſt mich deinem Willen unterwerfen. Ich fürchte, meinen minder fügſamen Kindern dürfte

es etwas ſchwerer fallen, ſich darnach zu bequemen. Sie ſind an keine andere Pflege, als die meinige ge⸗ wöhnt.“ „O, das wird ſich ſchon machen laſſen; übrigens haſt Du doch gewiß deine Kinder zum Gehorſam ge⸗ gen ihre Mutter erzogen.“