Teil eines Werkes 
Der Rechte : Erzählung : 1. Band (1864)
Entstehung
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gen dieſe meine Neigung möchte dann ſeyn, daß meine Erben, wenn ich mit Tod abginge, nicht die Hälfte von dem mehr fänden, was ich jetzt beſiße.“

„Nun, und dann“, rief Anna lachend,—„ſie müßten ſich ja wohl zufrieden geben, wenn ſie au gar nichts mehr fänden. Das Vermögen gehört ja Dir und nicht ihnen. Willſt Du es verthun, ſo haſt Du volles Recht dazu.“

„Auch wenn ich deinen Kindern kein Erbe hin⸗ terließ?“ fiel Falkenſtern ironiſch ein.

Anna ſoh ihn mit einer Miene an, als ob er nach ihrer Vorſtellung etwas recht Einfältiges geſagt hätte; aber da ſie ſein ſpöttiſches Lächeln gewahr wurde, ſetzte ſie haſtig hinzu:

„Ich habe nicht einen Augenblick an's Erben ge⸗ dacht, das kann ich Dich verſichern.“

„Um ſo beſſer. Ich beſitze ſomit deine Zuſtim⸗ mung, mich zu ruiniren. Wir wollen alſo nicht mehr davon reden. Nun zu dem, was ich Dir ſagen wollte. Du nahmſt keine Dienerin mit und haſt doch zwei Kinder. Warum dieſe Einrichtung?“

„Dieß kommt einzig daher, daß ich gar keine Magd habe, ſondern nur ein Laufmädchen“, entgeg⸗ nete Anna.

„So, ſo, das heißt mit andern Worten....

„Daß ich keine bedarf“, fiel Anna lebhaft ein, wäh⸗ rend das Blut ihre Wangen wie mit Purpur überzog.

Es trat eine Pauſe ein.

Falkenſtern unterbrach dieſelbe, indem er in ſcherz⸗

haftem Tone äußerte: „Es iſt mir ſchon in den erſten Stunden deines

Beſuches gelungen, Dich zu ärgern. Das freut mich, obſchon es den Anſchein hat, als brauchſt Du nicht gerade viel dazu, um böſe zu werden.“