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Tante Katharina's äußere Erſcheinung ſtand in vollkommener Harmonie mit ihrem Herzen und ihrem Charakter. Sie war eine hochgewachſene Frau, und ihrer Statur entſprach auch eine gewiſſe Wohlbeleibt⸗ heit. Sie hatte einen großen Kopf, welchen ſie mit vieler Selbſtſtändigkeit zu tragen wußte. Ihre Hände waren breit, ſtark, aber blendend weiß. De Haar taſtanienbraun, ſeidenweich und glänzend, wer von der gewölbten Stirne glatt zurückgekämmt. Die großen, dunkelbraunen Augen, welche tief in ihren Höhlen lagen, hatten einen klugen, etwas ſcharfen, aber wohl⸗ wollenden Ausdruck. Die allzulange Naſe zeigte eine ebenſo beſtimmte Krümmung, wie ihr Charakter Un⸗ beugſamkeit. Der etwas breite Mund, mit ſeinen friſchen und vollen Lippen, verrieth ein ſolches Maaß von Entſchloſſenheit, daß man ihn gern von einem ordentlichen Schnurrbart beſchattet geſehen hätte.
Obwohl etliche fünfzig Jahre alt, hatte ſie noch einziges graues Haar und keine einzige Zahn⸗
ücke.
Ihr Anzug beſtand immerdar aus einem Kleid von dunklem Zeug, mit blanken Knöpfen, einem weißen umgeſchlagenen Halskragen und einer ſchwarzen Schürze. An einem in dem Gürtel ſteckenden Hacken hing ein großer Schlüſſelbund und dicht daneben ein Band mit einer Scheere. Die große Schürze war mit ein paar mächtigen Taſchen verſehen, woran die eine zur Aufbewahrung von Nastuch und Tabaksdoſe, die an⸗ dere von Strickſtrumpf und einem kleinen Futteral mit Fingerhut, Rähnadeln und Federmeſſer diente.
Eine Haube trug Tante Katharina niemals, ſon⸗ dern das reiche Haar lag in einer breiten Flechte gleich einer Krone um den Kopf herum. Che wir das Portrait von Tante Katharina aus


