Angeſicht war bleich, das Auge matt, und Alles an ihr trug ein auffallendes Gepräge von Erſchlaffung.
Rücklings im Wagen ſaßen die Dienerinnen der beiden Frauen, mit den Knaben auf ihren Knieen.
In dem dritten und letzten Wagen, einer vier⸗ ſitzigen Droſchke, befand ſich eine junge ſchöne Dame, Wittwe des Bruders der Frau von Stral und Ma⸗ dame Braun.
Anna Falkenſterns ſchöne Züge redeten von Her⸗ zensgüte und Geiſtesfriſche. Wittwe ſeit vier Jahren, nachdem ſie blos zwei Jahre verheirathet geweſen, hatte die junge Frau frühzeitig das Mißgeſchick zu ſchmecken bekommen, da ihr Mann, ein Seeoffizier,
bei ſeinem Tode ein ſo unbedeutendes Vermögen hinterließ, daß es für ihren und ihrer Kinder Unter⸗ halt nicht ausreichte.
Das älteſte davon war beim Ableben ſeines Vaters etwas über ein Jahr, das jüngſte erſt ein paar Wochen alt.
Anna verlor jedoch bei dieſem traurigen Schlage nicht den Muth, ſondern begann ſogleich mit Energie
für die Ihrigen zu arbeiten, ſo daß ſie von dem Er⸗ trag ihres Fleißes und dem kleinen väterlichen Erbe ihr Auskommen hatte, ohne zur Unterſtützung der Verwandtſchaft ihre Zuflucht nehmen zu müſſen,
An ihrer Seite in der Droſchke ſaßen ihre beiden Kinder, ein Knabe von fünf und ein Mädchen von
vier Jahren. Der Wagen der Frau von Stral und Madame Braun, welcher zunächſt hinter dem von Falkenſtern
kam, hielt jetzt an der Treppe, und die beiden Mägde
ſprangen heraus, um Schachteln, Reiſetaſchen, Kinder ſ w. aus dem Wagen zu holen und alles dieß in


