Teil eines Werkes 
Ein Opfer der Rache : Erzählung : 2. Band (1864)
Entstehung
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Endlich nach dem unermeßlichen Zeitraum von fünfzehn Minuten hörte er leichte Tritte in dem an⸗ ſtoßenden Zimmer, und den Augenblick darauf ſtand Gabriella vor ihm, erröthend wie ein junges Mäd⸗ chen. Sie reichte ihm die Hand mit den Worten:

Sie haben es mir zur Gewohnheit gemacht, Ihre Anſicht über Alles, was von einiger Wichtig⸗ iſt, einzuholen; darum müſſen Sie auch heute in einer Sache Richter ſein, über welche ich Ihr Urtheil zu vernehmen wünſche.

Sie ſetzte ſich, und Alrik war beinahe erſtaunt über ihre lächelnde und heitere Miene und über das Sichere und Ungezwungene in ihrem ganzen Be⸗ nehmen. War ſie in dieſem Augenblick wirklich die ſchüchterne und bekümmerte Frau, die er kennen ge⸗ lernt hatte? Noch mehr, wie war es möglich, daß ſie, welche bei dem Hinweis auf die Trennung von einander einen ſo hohen Grad von Schmerz an den Tag gelegt hatte, jetzt ſo heiter und frei von jedem Schatten der Schwermuth und Bekümmerniß ſein konnte?

Alriks Eigenliebe litt unter dieſer Wahrnehmung, und er dachte nicht ohne Verdruß:

Sie iſt wenigſtens ſo glücklich, was ſie liebt, ſchnell zu vergeſſen.

Gabriella war eine Weile ſtill dageſeſſen, als ob ſie erwartete, daß Alrik zuerſt das Wort nehme, aber da er nur mit einer ſtummen Neigung des Hauptes ſeine Bereitwilligkeit, zu hören, ihr zu erkennen gab, begann ſie.

Es gab einmal eine junge Frau, welche dem Kummer, der ſie betroffen hatte, erlegen war. In