141
„Nicht, und Du kennſt dennoch beide.“
Jetzt fielen Birgers Augen auf Gabriella, und
erantwortete mit einem traurigen Lächeln:
„Ah! Du weinſt meine arme Schweſter. Ja, ſie iſt wirklich allzu ſehr Naturkind, um lügen zu können.“
„Allerdings!“
„Nun, die Andere, wer iſt dieſe?“
„Fräulein Alfhild's Schweſter.“
Ernſt's Stimme hatte, wie es Alfhild vorkam, einen ſtrengen Ausdruck. Nachdem er dieſe Worte geſagt hatte, entfernte er ſich.
Einige Stunden ſpäter brach man auf.
Auf dem Heimweg äußerte Alrik gegen Ernſt:
„Tante Bertha ſagte mir heute Mittag, Du habeſt im Sinn, von hier abzureiſen. Iſt es wahr?“
„Ich dachte heute morgen ſo, jetzt...
„Haſt Du dich anders beſonnen?“
„Nein, jetzt habe ich es feſt beſchloſſen.“
„Und warum reiſeſt Du?“
„Darum, weil ich weiß, daß Gabriella mich nie⸗ mals lieben wird. Ich muß fort von hier. Mein Charakter, dem Anſchein nach kalt, iſt gleichwohl leidenſchaftlicher Art. Ich will nicht hier bleiben
und mich in Eiferſucht verzehren, die ich am Ende
doch nicht beherrſchen könnte. Ich würde mich ſelbſt als einen elenden Wicht betrachten, wenn ich ihr Leben nur im Mindeſten verbitterte. Ich habe es einmal gethan, aber es ſoll nie mehr geſchehen. Bleibe Du und mache ſie glücklich.“
„Ich!“ rief Alrik.„Haſt Du Alfhilds Worte
vergeſſen? Haſt Du den Schatten von Eigennutz


