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Fitelkeit und getäuſchtes Verlangen er⸗ halten. Dieſes ganze Anhängſel von Fehlern gehört zu unſerer mangelhaften Natur und nicht auf Rech⸗ nung der Liebe. Wenn dieſe iſt, was ſie ſein ſoll, ſo wird ſie auch die Kraft beſitzen, unſer Inneres zu beſſern, und ſomit dazu beitragen, daß wir dieſen Fehlern entgegenarbeiten, ſie bezwingen und dadurch Gott näher kommen.“
„Es läßt ſich nicht läugnen, Clara's Auffaſſung von Liebe iſt ſchön, und es wäre gut, wenn Jeder⸗ mann ihr ſolchen Adel verleihen könnte; aber leider fürchte ich, daß Sie durch das Verſchönerungsglas der Phantaſie ſehen,“ bemerkte Ernſt. Wir Sterbliche ſind ſchwach und gewöhnlich mehr von unſerem ſchlimmern als unſerem beſſern Menſchen beherrrſcht. Der Kampf, welchen wir beſtehen müſſen, um dem reinen, edeln Elemente in uns die Oberhand zu ver⸗ ſchaffen, iſt in der Regel ſo ſchwer, daß er unſere beſten Kräfte koſtet.“
„Eine höchſt traurige Theorie, mein lieber Ernſt,“ fiel Alrik ein.„Wir müſſen wohl annehmen, daß nur der ein Menſch iſt, welcher ſich von ſeiner beſſern Natur regieren läßt.“
„So ſollte es ſein, Alrik, aber es iſt nicht ſo,“ antwortete ſein Bruder mit tiefem Ernſt.„Unſer Schickſal, was iſt es wohl anders, als unſer eigener Charakter, unſere Fehler und unſere Irrthümer?“
„Damit ſtimme ich nicht ganz überein,“ bemerkte Gabtiella in traurigem Tone,„denn es gibt ja Menſchen, welche ſchon in den Kinderjahren vom Unglück verfolgt werden, welchen der Tod Eltern und Verwandte raubt, welchen überall und in allen


