Teil eines Werkes 
Ein Opfer der Rache : Erzählung : 2. Band (1864)
Entstehung
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chen. Ich opferte damals mein Leben für einen Mann, deſſen Unglück und edler Charakter mir je⸗ des Opfer für ihn theuer machte. Ich konnte es damals thun, denn ich hatte außer meinem Kum⸗ mer kein anderes Intereſſe. Ich wußte, daß ich ihm vor Gott Treue und Ergebenheit geloben konnte, denn in meinem Herzen hatte damals außer dem Mitleiden mit ihm kein anderes Gefühl Raum. Und mehr noch; er forderte von mir niemals Liebe; er fühlte blos das Bedürfniß, eine Freundin, eine Wär⸗ terin und Tröſterin an ſeiner Seite zu haben. Nicht ſo mit Ernſt. Gerade darum, weil er mich liebt, wird er auch Gegenliebe von mir begehren. Das Glück, welches ich ihm durch meine Aufopferung be⸗ reiten wollte, würde ſich für uns beide in unſäg⸗ lichen Jammer verwandeln. Er würde aus Man⸗ gel an Liebe leiden; ich aus Kummer darüber, daß ich ihm eine ſolche nicht geben kann. Der Inſtinkt ſagt mir, daß das, was Sie mir jetzt rathen wollen, mit dem natürlichen Rechtsgefühk in Widerſpruch ſteht. Es müßte ein Unrecht ſein, wenn ein Menſch, ohne Liebe im Herzen, vor Gott träte und einem Andern Etwas gelobte, was nicht in ſeiner Macht ſteht; und doppelt Unrecht wäre es, wenn er es thäte, wäh⸗ rend er weiß, daß ſein Herz...“

Gabriella ſchwieg plötzlich.

„Warum reden Sie nicht aus?“ fragte Alrik mit bewegter Stimme.

„Einem Andern angehört,“ flüſterte Gabriella.

Jetzt war es mit Alriks Selbſtbeherrſchung aus; er ſprang von ſeinem Stuhle auf und faßte Ga⸗ briella's beide Hände, indem er leidenſchaftlich ausrief: