Teil eines Werkes 
Ein Opfer der Rache : Erzählung : 2. Band (1864)
Entstehung
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gen Erinnerungen ſtellte, verwandelte ſich bei dem Anblick von Corſins blutigem Leichnam in ein Schreckbild. Anſtatt daß meine dämmernde Liebe wie ein ſchöner, verheißungsvoller Traum in meinem Innern zurückblieb, wurde ſie zu einer blutigen, ſchaudervollen Erinnerung.“

„Und Ihr Gefühl für meinen Bruder, was iſt es jetzt?“

„Eine tiefe und innige Theilnahme an ſeinem Leid und Kummer; eine bittere Anklage, daß ich die Urſache davon bin.“

„Sie lieben ihn nicht?“

„Nein, in meinem Herzen findet ſich kein Gefühl, das es mir möglich machen könnte, Ernſt zu lieben“

„Und doch ſind Sie einmal nahe daran gewe⸗ ſen, ihn zu lieben. Sie haben für ihn jenes ſüße Gefühl gehegt, welches uns ſelbſt die traurigſte Ver⸗ gangenheit vergeſſen läßt. Nun wohl, ſollte das tägliche Beiſammenſein, die Gewißheit, daß Sie für ihn ſein ganzes Lebensglück ausmachen, nicht im Stande ſein, die Gefühle wieder zu wecken, welche Sie jetzt als todt betrachten?“

„Unmöglich! Mein Herz kann ihn nicht lieben.“

„Aber Sie hegen Theilnahme und Freundſchaft für ihn. Sie leiden bei dem Gedanken, daß er durch Sie unglücklich iſt. Sollte nicht dieſes Be⸗ wußtſein, einen Menſchen glücklich gemacht zu haben, Sie dazu vermögen, Ihr Leben Ernſt zu widmen und als ſeine Gattin ihn mit dem Kummer, wel⸗ chen er erfahren hat, zu verſöhnen? Wäre dieß nicht ein ſchönes Ziel für Ihr Beſtreben?“

„Einmal habs ich ſo gedacht, wie Sie jetzt ſpre⸗