119
Mein Herr, Sie wiſſen doch, daß Ihre Gegenwart für mich zu einem Bedürfniß geworden iſt.“
„Wie iſt das möglich? Sie haben von mir nur eine harte Sprache zu hören bekommen. Ich habe Nichts gethan, um meinen Umgang Ihnen ange⸗ nehm zu machen, und darum bin ich darauf gefaßt, daß Sie mich ohne einen Schein von Bedauern meine Beſuche zu Wettersnäs einſtellen ſehen.“
„Sie können ſo nicht denken, denn Sie haben ſchon ſeit langer Zeit die entgegengeſetzte Ueberzeu⸗ gung gewonnen; ſollten Sie aber wirklich einen ſolchen Gedanken hegen, ſo haben Sie ſich grauſam getäuſcht. Sie ſind und bleiben ein Freund, deſſen Nähe mir theuer iſt.“
„Ach, gnädige Frau, Sie wollen zum Beweiſe, daß Sie nicht egoiſtiſch geſinnt ſeien, es ſich auch fernerhin gefallen laſſen, mich zu ſehen, gerade wie Sie thaten, als ich Sie bat, meinen Bruder zu empfangen; aber dieß iſt eine Gunſt, auf welche ich verzichte.“
„Wozu dieſe Worte?“ ſagte Gabriella ungekün⸗ ſtelt;„Sie kennen mich genugſam, um zu wiſſen, daß wenn ich keine Freundſchaft für Sie hegte, ich es auch nicht ſagen würde. Herr Welwort, vergeſ⸗ ſen Sie darum, daß Sie für Ihre Theilnahme und Ergebenheit eine gewiſſe Zeit beſtimmten, und ver⸗ ſuchen Sie, ſich für Gabriella von Saint Sue ohne jeglichen Gedanken an die Zukunft zu intereſſiren.“
Alrik führte die kleine Hand an ſeine Lippen und ſagte mit Wärme:
„Ich danke!“
Dann ließ er ſie plötzlich wieder los, als ob er


