113 Wege, den er ſich ſelbſt vorgezeichnet hatte, ſchuld ab.
Ahnte Ernſt dieſe Gedanken, oder war es die Erinnerung an ihre Jugend, wo Alrik ſo oft ihm ſeinen ſchwachen Charakter zum Vorwurf gemacht und durch ſeinen Uebermuth ihn gedemüthigt hatte,
was Ernſt jetzt bewog, nach einer Pauſe wieder das Wort zu nehmen?
„Hft haſt Du mir vorgerückt, daß ich keine Cha⸗ rakterſtärke beſitze, daß ich niedrigen Verſuchungen nachgebe u. ſ. w. Wahr iſt es, daß die Schönheit uuf meine Sinne und mein Blut einen großen Ein⸗ fluß ausübte; aber ich weiß auch dagegen, daß ich das einzige Mal, da ich wirklich geliebt habe, voll⸗ mmen Herr über meine Gefühle geblieben bin. Noch hat keine Verſuchung vermocht, mich von dem, as die Ehre gebietet, abwendig zu machen. Doch 1 dieß gilt nur von der Vergangenheit; denn ich weiß
nicht, welche Verſuchungen die Zukunft mit ſich brin⸗ gen kann, und wie ich dieſelben beſtehen werde.“
Er ſtrich mit der Hand über die Stirne und fuhr dann fort:
„Einmal hatte ich das Mädchen, welches ich an⸗ betete, allein in einem Boote, und ich rührte ſie kaum an, obwohl jeder Schlag meines Herzens von ſtürmiſcher Leidenſchaft Zeugniß gab. Seitdem haben Sorge und Mißgeſchick mich betroffen, aber ich ließ mich niemals dadurch völlig niederſchlagen oder ver⸗ leiten, mit ercentriſchen Gefühlsausbrüchen Andere zu behelligen. Meine innern Stürme habe ich für mich ſelbſt behalten, und die ſollen nicht der Welt preisgegeben werden.
Schwartz, Ein Opfer der Rache I. 8
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