Teil eines Werkes 
Ein Opfer der Rache : Erzählung : 2. Band (1864)
Entstehung
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„Wo haſt Du Gabriella's Bekanntſchaft gemacht?“

„In Venedig.“

„Haſt Du ſeitdem ſie ſtets geliebt?“

„Alrik! das ſind Fragen, die ich nicht beantwor⸗ ten mag. Sie berühren mein Inneres, und dieß will ich für mich ſelbſt behalten.— Uebrigens, was verſchlägt es Dir? Du haſt ja einmal, als Du von deinem erſten Beſuch zu Wettersnäs redeteſt, geſagt: Ich hahe von dieſer Frau Nichts zu ge⸗ winnen, denn ich will ihr dienen ohne jeglichen Ge⸗ danken an einen Lohn.“

„Das habe ich geſagt und das gedenke ich zu halten.“

„Warum biſt Du dann eiferſüchtig?“ entgegnete

Ernſt, indem er ſeinen Bruder mit düſterer Ruhe

betrachtete.

„Ernſt!“ rief Alrik und blieb ſtehen. Die Adern ſchwollen ihm auf der Stirne, und ſeine Augen blitzten.

Auch Ernſt blieb ſtehen, aber er fuhr mit der⸗ ſelben düſtern Ruhe fort:

„Wäreſt Du nicht eiferſüchtig, warum würden dann meine Beſuche zu Wettersnäs deinen Zorn er⸗ regen? Warum würdeſt Du dann ſo hartnäckig die Beſchaffenheit meiner Gefühle für Frau von Saint Sue auszuforſchen ſuchen? Habe ich ein einziges Mal nach den deinigen gefragt? Sollteſt Du, mit dem feſten Vorſatz auftretend, in ihr nur eine Unglück⸗ liche zu ſehen, welche Du mit dem Leben verſöhnen wollteſt, für ſie nicht allein jene unglücklichen Ge⸗ fühle gefaßt haben, von denen Du ſelbſt Dich los⸗ ſagſt, ſondern ſogar eiferſüchtig alle bewachen, welche

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