Geſang ſeinen Schatten heraufbeſchwor und mich als ſeinen Mörder anklagte, ſang ich doch für Sie, in der Ueberzeugung, daß dieſe Melodien Ihren Schmerz beſchwichtigen würden. Als mein Bruder mir von dem ſchmerzlichen Eindruck ſagte, der dadurch bei Ihnen hervorgebracht wurde, da verſtand ich Alles und ich ſinge nie mehr. Die Erinnerung, einen Menſchen ums Leben gebracht zu haben, iſt ſo bit⸗ ter, die Reue ſo qualvoll daß man mit dem, was einen ſo gräßlichen Gedanken zurückführt, ſein In⸗ neres nicht zu zerfleiſchen braucht, um die Wunde wieder zum Bluten zu bringen.“
„Auch Sie, ſelbſt Sie leiden unter dieſer Er— innerung?“
„Gnädige Frau, glauben Sie mir, der Schmerz iſt, auch wenn wir ihn verbergen, darum nicht min⸗ der tief und ernſt. Nicht der Kummer, welcher vor aller Blicken offen da liegt, geht am tiefſten. Ich habe einen verſchloſſenen Charakter und verabſcheue es, Andere in das einzuweihen, was in meinem In⸗ nern vorgeht.“
„Ach, Herr Welwort, wie ſehr müſſen Sie nicht das Schickſal verwünſchen, welches mich auf Ihren Weg führte; denn durch mich, um meiner Schuld willen leiden Sie dieß Alles“ fuhr Gabriella fort, indem ſie mit einem Blick voll Qual zu ihm aufſah.
„Ich mein Schickſal verwünſchen, darum daß ich Sie kennen lernte?“ rief Ernſt, und dabei verweilte ſein Blick mit ſo warmem, glühendem Ausdruck auf ihr, daß ſie ihrerſeits die Augen niederſchlug. Ach, gnädige Frau, dieß iſt vielmehr das Einzige, wofür ich dem Schickſal zu ewiger Dankbarkeit üct⸗
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