Teil eines Werkes 
Ein Opfer der Rache : Erzählung : 2. Band (1864)
Entstehung
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Wiederum entſtand eine Pauſe. Dießmal brach Alrik das Stillſchweigen.

„Geſtatten Sie, daß mein Bruder ſeinen Beſuch zu Wettersnäs erneuert?“

Gabriella wechſelte die Farbe, antwortete aber ſogleich:

„Er iſt willkommen.“

Sie beugte ſich nieder und klopfte ihr Pferd auf den Hals; darauf wandte ſie ſich zu Alrik und fuhr fort:

„Sie glauben, ich habe die Unwahrheit geſpro⸗ chen, als ich ſagte, ich kenne Ihren Bruder nicht.“

„Ich glaube Nichts; ich ſah Ihre Gemüthsbe⸗ wegung bei ſeinem Erſcheinen, das war Alles.“

Wiewohl Alrik ſeiner Stimme den gewöhn⸗ lichen Ausdruck der Ruhe zu gehen ſuchte, hatte die⸗ ſelbe doch etwas ſehr Kaltes.

„Ich bin zu wenig mit dem Leben bekannt, zu ſehr Naturkind, um eine Unwahrheit zu ſagen,“ nahm Gabriella wieder das Wort.„Ich habe nie⸗ mals den Nutzen des Lügens mir begreiflich ge⸗ macht, deßhalb lüge ich nicht.“

S

Alriks Stirne legte ſich in die ausdrucksvollen Falten, welche Mißvergnügen andeuteten.

„Sie zweifeln?“

„Warum wollen wir davon reden, gnädige Frau?“

„Ich hatte erwartet, Sie würden eine Frage wegen meines ſeltſamen Benehmens an mich ſtellen.“

„Sie haben mir noch nicht die Rechte eines Freundes Ihnen gegenüber eingeräumt, folglich kann ich von Ihnen keine Erklärung verlangen; auch hätte