Teil eines Werkes 
Ein Opfer der Rache : Erzählung : 2. Band (1864)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

44

nahme für die Nothleidenden empfinden. Sie ſind übrigens die reichſte Perſon im Kirchſpiele.“

„Ach, Herr Welwort, Sie wiſſen nicht, wie fremd ich allen Verhältniſſen des Lebens geworden bin, und wie ſehr ich mich außer Stand fühle, zu handeln, ohne daß mir wenigſtens zu Anfang Je⸗ mand hilft. Mein ganzes Leben iſt eine fortgeſetzte Unthätigkeit und Iſolirung geweſen.“

„Geweſen, ja; aber es wird ſo nicht bleiben.“

„Wollen Sie mir helfen, den erſten Schritt auf der Bahn der Wohlthätigkeit zu thun?“

„Das will ich.“

„Dank!“

Hiemit trat eine Pauſe ein, während welcher Alriks Augen auf Gabriella weilten; nach einer Weile nahm letztere wieder das Wort:

„Warum ſind Sie die letzten zwei Tage nicht in Wettersnäs geweſen?“

„Weil ich wünſchte, daß Sie meine Worte ganz ungeſtört überlegen und ohne weitere Einwirkung von meiner Seite Ihren Entſchluß faſſen ſollten, alſo entweder Ihr Leben fortwährend zu verträu⸗ men, oder einem nützlichen und thätigen Streben zu widmen ſich vornehmen würden.“

„Waren Sie alſo nicht überzeugt, welchen von dieſen beiden Entſchlüſſen ich faſſen würde?“

„Allerdings; ich hätte im Voraus ſagen können, Ihr Herz würde das wählen, was Ihrer würdig war. Hätte ich auch nur einen Augenblick daran

gezweifelt, ſo wären Sie für mich nicht die Frau

geweſen, wofür ich Sie gehalten.“