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allezeit gegen unſere Mitmenſchen die Pflicht haben, ſo wenig langweilig als möglich zu ſein, und daß der Kummer ein Geſpenſt iſt, welches die Freude Anderer verſcheucht, weßhalb wir ihn für uns ſelbſt behalten und ganz incognito, in die Farben des Frohſinns gekleidet, durch's Leben reiſen laſſen müſſen.“
„Ach, Clara, ſo ſprichſt Du jetzt; aber wenn die Prüfungsſtunde kommt, wird deine Lebensphiloſophie dann Stand halten?“
„Ganz gewiß; denn ſie iſt durch die Erfahrung erprobt,“ antwortete Clara, halb lächelnd, halb ernſt.
Darauf erhob ſie ſich ſchnell küßte Alfhild auf die Stirne und ſezte hinzu:
„Gute Nacht, Herzensfreundin. Verſuche zweier⸗ lei, und das Leben wird ein ganz anderes Ausſehen
für Dich gewinnen. Erſtens betrachte es ſtets von
der heitern Seite; zweitens fliege nicht von einem Gegenſtand zum andern, um einem Glück nachzujagen, welches Du vor allen Dingen in Dir ſelbſt aufſuchen mußt;— und endlich denke nicht, Du heileſt eine Wunde in deinem Innern dadurch, daß Du Andern eine ſolche ſchlägſt. Gute Nacht!“
Alfhild blieb noch lang ſitzen, nachdem Clara ir ihr Zimmer gegangen war; aber aus ihrem leiden⸗ ſchaftlichen Mienenſpiel ließ ſich erkennen, daß die Worte ihrer Schweſter bereits in Vergeſſenheit ge⸗ rathen waren.


