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Werthes ganz bei Seite, denn dieſe müſſen wir für uns ſelbſt beſitzen, und im Uebrigen bin ich, wie Du weißt, kein Moralprediger. Ueber dergleichen Punkte denke ich wohl nach, rede aber nicht gern davon.“
„Ich weiß es, Clara, im Handeln biſt Du mo⸗ raliſch groß und edel, aber alles Gerede darüber iſt Dir beinahe zum Abſcheu,“ fiel Alfhild mit einem warmen Blick auf die Schweſter ein.
„Lapperei, das gehört nicht hieher; die Bedin⸗
gungen der Liebenswürdigkeit ſind es, worüber wir
jetzt verhandeln wollen. Fürs Erſte darf man nie⸗ mals langweilig ſein.“
„Nun, das iſt klar, das weiß wohl Jedermann.“
„Nicht ſo ganz, denn alle Verliebte ſind immer⸗
dar ſentimental. Sentimentalität iſt der Gipfel aller
Langweiligkeit. Sie ſeufzt gerne, iſt weinerlich, un⸗ gemein für den Mondſchein, für Empfindelei, für Verſe und dergleichen eingenommen. Sie ſchwärmt für die Sterne am Himmel, ſchwebt auf den Wolken, ſpricht vom Frieden im Grabe und andern unange⸗ nehmen Dingen. Nun hat der Menſch, um das Un⸗ glück voll zu machen, ſich in den Kopf geſetzt, daß er nicht lieben könne, ohne ſentimental zu ſein, und
auf ſolche Weiſe wurde der kleine, muthwillige, mun⸗
tere und lebensfriſche Liebesgott zu einem kränklichen, gebrechlichen Kinde gemacht, welches, anſtatt zu ſingen und zu tanzen, in Thränen ſich ergießt und auf Krücken einhergeht. Seiner Natur gemäß ſollte Herr
Cupido das Leben zu einem lächelnden, ſonnenhellen
Roſengarten machen; aber die Menſchen haben den Knaben ſo verkünſtelt und verunſtaltet, daß er daſ⸗
ſelbe zu einem Jammerthale von Qual und Melan⸗


