Teil eines Werkes 
Ein Opfer der Rache : Erzählung : 2. Band (1864)
Entstehung
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cholie gemacht hat. Nun frage ich Gott und die ganze Welt, ob ein Weſen, das dieſer modernen ſchwachmüthigen Empfindelei verfallen iſt, anders als langweilig ſein kann. Ich für meinen Theil habe alle Liebesleute ſo abſolut langweilig gefunden, daß ich niemals begriff, wie ein Mädchen an einem Mann, der ſich in ſie verliebt hat, Gefallen finden kann, und von ganzem Herzen es dem Herrn der Schöpfung verziehen, wenn ſie ſich bei Frauen langweilen, welche ſo gar gefühlsüberſchwenglich ſind. Ja, wenn ich an Leute denke, die in Liebe ſtecken, ſo wird mir ganz unheimlich zu Muthe.

Clara ſeufzte tief und ſah äußerſt komiſch aus.

Du willſt alſo behaupten, daß ich eine ſo gründ⸗ lich langweiligz Figur bin?

Ja, das will ich allerdings, rief Clara lachend. Du ſtehſt wirklich in Betreff der Liebesaffairen auf der ganzen Höhe der Verdrießlichkeit.

Sehr verbunden.

Keine Urſache zu danken. Du wirſt ſogleich Grund finden, mir Complimente zu machen. Was Dich, Alfhild, betrifft, ſo haſt Du jederzeit eine ſtarke Neigung dazu gehabt, aus Deinen Gefühlen etwas recht Ungeheuerkiches und Grauſiges zu machen. Wenn Du alſo in Liebe befangen wareſt, zeigteſt Du Dich auch über die Maßen langweilig. Du legteſt Dir ein Tagebuch an, ſchauteſt beſtändig zum Himmel, hatteſt nur Augen und Ohren für den ſchönen Mann, nur Gedanken für das, was er ſagte, und lebteſt nur, wenn er in Deiner Nähe ſich befand. Nun läge in dieſem allem nichts Unrechtes, aber merke, jetzt