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Schlaf und Ihrem Zorn. Haben Sie ausfindig zu machen geſucht, wo Frau von Saint Sue ſich befin⸗ den kann?“
„Nein, das habe ich nicht.“
„Sie ſind alſo ganz ruhig hier verblieben, als ob Nichts vorgefallen wäre. Der Menſch iſt doch in der That ein wunderliches Thier, ohne Intereſſe für Seinesgleichen. O du ewiger Egoismus!“
Alrik ging in vollem Zorn und Unmuth auf und ab.
„Hören Sie, Herr Welwort, darf ich wohl er⸗ fahren, was Sie eigentlich wollen, da ßich thun ſoll? Soll ich die Dienerſchaft ausſchicken und ein Treib⸗ jagen hinter ihr her anſtellen, da ich doch weiß, daß ſie da, wo ſie iſt, allein und ungeſtört zu ſein wünſcht?“
„Aber ich habe Ihnen ja tauſend Mal geſagt, daß ſie nicht allein ſein darf. Ihre Pflicht iſt, die⸗ ſem vorzubeugen, da ich unglücklicher Weiſe nicht jede Stunde des Tags hier ſein kann.“
„Wenn ſie aber trotz aller meiner ſchönen Be⸗ mühungen die Einſamkeit ſucht, kann ich ſie nicht mit Gewalt daran verhindern.“
„Wer redet von Gewalt? Hier handelt es ſich bloß darum, daß Sie Gabriella ſo zu intereſſiren ſuchen, um Ihre Geſellſchaft derſelben werth zu machen.“
„Das iſt leichter geſagt, als gethan.“
„Wenn Sie wirkliches Intereſſe für Ihre Ver⸗ wandte hätten, ſo würden Sie Ihre ganze Kraft aufbieten, um deren Herz an ſich zu ziehen, und das würde Ihnen auch gelingen.


