Teil eines Werkes 
5. Band (1865) Pauline / von Marie Sophie Schwartz ; aus dem Schwedischen von Dr. Otto gen. Reventlow
Entstehung
Einzelbild herunterladen

jetzt vor, dieſe Wohnung, welche in ſo geringer Har⸗ monie mit der Schönheit des Mädchens ſtand, paſſe dennoch zu dem Ernſte, welcher dieſe Stirne charak⸗ teriſirte, und zu dem wunderbaren Feuer in ihren Augen. Man bildete ſich ein, eben dieſes ſeinem Aeußern nach ſo wenig einladende Heimweſen nehme ſich ganz ſo aus, als ob gerade hier große und kühne Gedanken in aller Stille das Tageslicht erblicken müßten, um hernach zu Thaten zu reifen.

Die Thüre, welche vom Hofe auf die Straße führte, ſtand halb offen. Sie hing ſchief und krumm in ihren Angeln; und da es an Schloß und Riegel fehlte, konnte man dieſelbe nicht ſchließen.

Der Wanderer, welcher vorüber ging, hatte Ge⸗ legenheit genug, das Mädchen zu betrachten, welches ſo unbeweglich daſaß; aber ſo feſſelnd der Anblick auch war, gingen doch die meiſten von den Einwoh⸗ nern der Stadt Caen vorüber, ohne dahin zu blicken.

Man war allzu ſehr von dem aus Paris ange⸗ langten Gerüchte in Anſpruch genommen, als daß man Sinn und Gedanken für etwas Anderes hatte.

Die Erſtürmung der Baſtille durch die Pariſer Bevölkerung, der Fall der Baſtille das war es, was an allen Straßenecken, auf dem Markte, in den Salons und in der einfachſten Hütte diskutirt wurde.

Es gab keinen Menſchen in der Stadt, und mochte er der Niedrigſten einer ſeyn, der ſich nicht von der großen Neuigkeit, welche vor einigen Stunden ſich hieher verbreitet hatte, überraſcht und betroffen fühlte.

Schwartz, Novellen. V. 17