256
Alter, hatten ein Ausſehen, welches deutlich verrieth, daß, wer auch die Bewohner ſeyn mochten, welche ſich hinter denſelben bargen, ſie wenigſtens keine Kinder der Freude und Gedankenloſigkeit waren.
Die Zeit hatte auf das alte Haus ihre Ruinen⸗
ſchrift gezeichnet und ihm ein Gepräge des Verfalls aufgedrückt, welches niederſchlagend auf Jedermann, der demſelben nahe kam, einwirkte und zur Folge hatte, daß das Lächeln auf den Lippen erſtarb und die Freude aus der Seele entfloh.
Durch eine niedrige und enge Thüre, welche dem Eingang zu einem Kerker glich, gekangte man auf eine ſaubere, ſchmale Treppe, welche in das obere Stockwerk führte, wo das Tageslicht nur ſehr ſpärlich durch die kleinen, in Blei gefaßten Fenſterſcheiben in die leeren, öden Gemächer eingelaſſen wurde.
Jedoch will ich dich, lieber Leſer, nicht in dieſe unbewohnten Räumlichkeiten führen, ſondern wir blei⸗ ben auf dem Hofe.
In einer Ecke deſſelben befand ſich ein Brunnen, deſſen Steineinfaſſung mit Moos überwachſen erſchien.
Es war an einem Abend zu Ende Juli's 1789.
Am Fuße des alten Brunnens ſaß eine junge Frau und las.
Wenn man die unbewegliche Geſtalt ſah, blieb man unwillkürlich ſtehen, um dieſes ungewöhnlich ſchöne Angeſicht, aus dem in jedem einzelnen Zuge ein großer mächtiger Geiſt ſprach, zu betrachten.
Das alte Haus, der düſtere Hof, der verfallene Brunnen, an deſſen Fuß ſie träumte, Alles bekam durch ſie ein anderes Ausſehen. Man ſtellte ſich


