Ein Monat verſchwand nach dem andern; aber der Savoyarde kam nicht.
„Du wirſt wohl den häßlichen, einäugigen Günſt⸗ ling behalten müſſen,“ pflegten die Schweſtern zu ihr zu ſagen; aber Charlotte ſchüttelte den Kopf und antwortete:
„Lebt ſein kleiner Herr noch, ſo kommt er gewiß, um ſeinen Hund zurückzufordern, wenn es auch etwas länger anſteht.“
II.
Ein Jahr war vergangen.
Charlotte's Vater, nun in wirkliche Armuth ge⸗ rathen, wurde in die Nothwendigkeit verſetzt, von ſei⸗ nen Töchtern ſich zu trennen.
Als arme, aber dem Adelſtande angehörige Mäd⸗
chen erhielten ſie Aufnahme in einem Kloſter zu Caen, welches Abtei aux Dames genannt wurde.
Als der Vater die Mädchen davon unterrichtete, daß ſie die Heimath verlaſſen müßten, war Charlotte die einzige, welche dabei wirklichen Schmerz empfand.
Für ſie waren die Entſagungen, denen ſie ſich unterwerfen mußte, vergeſſen, und ſie dachte nur an den einſamen und unglücklichen Vater, von dem ſie ſcheiden ſollte, und an Fidole, den ſie gleichfalls zurück⸗ laſſen mußte, ohne ihr dem Savoyarden gegebenes Verſprechen erfüllen zu können.
In den letzten Tagen, da ſie noch zu la Ron⸗


