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men, weil ich mich nach Ihnen ſehnte, Anna, weil ich
3 Sie wiederſehen wollte, Sie, deren liebes Geſichtchen
mir überall fehlte, wenn es mich auch in der Erinne⸗
rung begleitet hatte, weil ich Sie— liebe, Anna, liebe, 2 ſeitdem ich Sie ſah und mir dieſer Liebe vom erſten 4 Augenblicke an bewußt war. Und darum bin ich jetzt wiedergekommen, nachdem ich einer Frau einen Heerd anzubieten habe, und will Sie fragen, Anna, ob Sie
mir auch gut ſein können und ob Sie,— ob Du
mein liebes, gutes, treues Weib werden willſt?“
Daß es ſo ſchnell gehen würde mit einer⸗Erklä⸗ rung, hatte Anna doch nicht erwartet. Kaum war ja der Aegidius erſt in's Zimmer getreten und ſchon hatte er ihr die verhängnißvolle Frage vorgelegt, nach der ſich Anna zwar im Stillen ſchon lange geſehnt hatte, mit der er ſie aber jetzt im wahren Sinne des Wortes überrumpelt hatte.
Aber der junge Mann ſchien der zu erwartenden
Antwort gar ſehr ſicher zu ſein, denn er wurde durch
5 das verlegene Schweigen Anna's nicht ebenfalls ver⸗ legen, ſondern trat ganz nahe auf ſie zu, ſo nahe wie vorher noch nie, ſchlang ſeinen Arm um ihre Taille, beugte ſich herab zu ihrem hoch erglühenden Geſicht⸗
chen und fragte leiſe, ganz leiſe:
„Willſt Du, Anna?“
Nun ging's doch nicht mehr anders, als daß Anna mit dem Köpfchen nickte; das verlangte kleine Wort konnte ſie aber durchaus nicht ſagen, ſie brachte es nicht über ihre Lippen, die ſie außerdem, gleich nach⸗ dem ſie ihre Antwort genickt, zum Sprechen nicht ge⸗


