156
„Keine Silbe.“
„Hat Ihr Onkel Ihnen gar nicht geſagt, daß ich heute ganz beſtimmt hier zu ſein verſprochen hatte?“
„Durchaus nicht; er hat mir nichts mitgetheilt.“
Der alte Kölblich war in der That entweder ſo vergeßlich oder ſo boshaft geweſen, der Nichte von dem Wiedereintreffen Aegidius' zur Trauung des Barons kein Wörtchen vorherzuſagen.
Aegidius hatte den Hut abgelegt und war zu Anna getreten.
„Ich habe mich ſehr darauf gefreut,“ ſprach er, „wieder nach Lindenheim zu kommen. Glauben Sie mir das?“
„Warun ſollte ich daran zweifeln, wenn Sie's ver⸗ ſichern,“ antwortete das junge Mädchen.
„O bitte, geben Sie mir keine ſo förmlichen Ant⸗ worten,“ bat Aegidius,„ſagen Sie mir offen: macht's Ihnen auch ein klein wenig Freude?“
Der junge Mann ſprach ſo einfach ehrlich, daß Anna es nicht über ſich gewinnen konnte, ihm mit einer ausweichenden Redensart zu antworten; ſie ſprach darum leiſe nach einer kurzen Pauſe:
O gewiß.“
„Und wiſſen Sie auch, warum ich ſo gerne zurück⸗ gekommen bin? Ja, warum ich überhaupt zurückkam?“
Anna antwortete nicht; es wurde ihr etwas bäng⸗ lich zu Muthe, das Geſpräch nahm eine ſo eigenthüm⸗ liche Wendung.
„Zwar wiſſen Sie es ſchon,“ fuhr Aegidius fort, „aber ich wiederhole es Ihnen: ich bin zurückgekom⸗
—j—————ÿ


