Teil eines Werkes 
3. Band (1875)
Entstehung
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155 nicht als eine ſo völlig gleichgültige Sache betrachten, remonſtrirte Aegidius.

Die Verlobung nicht, aber das Drumherumſchwätzen, entſchied der Benefiziat.Was hätte ich dem Mädchen ſagen ſollen? Fragen, willſt Du ihn? Dann hätte ſie Ja geantwortet und ich wäre mit meinem Latein zu Ende geweſen.

Aber eben dieſe eine Frage haben Sie nicht ge⸗ ſtellt, wendete Aegidius ein.

Weil ſie unnütz geweſen wäre. Ich hätte dann nur die ganze Zeit, ſo lange Du ausbliebſt, alle Tage über Dich eine Menge Fragen beantworten müſſen und für ein Geplauder mit einem jungen verliebten Mädchen taugt mein alter Kopf nicht.

Die Zuverſichtlichkeit des Beneſiziaten hatte wenig⸗ ſtens das Gute, daß ſie Aegidius mit einer großen Portion Vertrauen erfüllte. Wenn man des Erfolges auch noch ſo ſicher ſein zu dürfen glaubt, ſo iſt man doch befangen, wenn man förmlich werben ſoll.

Das Herz des jungen Mannes klopfte lebhafter wie ſonſt, als er die Treppe zur Wohnung des Bene⸗ fiziaten emporſtieg.

Der Alte zog ſich ſogleich auf ſein Zimmer zurück, während Aegidius in die Wohnſtube trat, wo, wie er richtig vermuthet hatte, Anna zu finden war.

Sie erſchrak bei dem unerwarteten Anblick von Aegidius.

Sie ſind hier? rief ſie erſtaunt dem jungen Mann entgegen.

Haben Sie das nicht gewußt?