Teil eines Werkes 
3. Band (1875)
Entstehung
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erwartetes Schauſpiel betrogen, denn in der Kirche befanden ſich außer den Brautleuten nur der Bene⸗ fiziat, der Küſter, ſowie die beiden Zeugen Aegidius und Kratzeiſen.

Einige alte Betſchweſtern, welche weniger wegen der zu verrichtenden Andacht, als wegen der in ihr herrſchenden Kühle in der Kirche anweſend waren, hatten von der ſtattfindenden Trauung nicht das Ge⸗

ringſte bemerkt, denn dieſelbe fand in der Sakriſtei

ſtatt, wohin Jedermann der Zutritt unterſagt geblie⸗ ben war.

Erſt in der Sakriſtei hatte Aegidius den Benefi⸗ ziaten wieder zu ſehen bekommen; wir wiſſen ja, daß der junge Mann erſt ganz knapp vor der feſtgeſetzten Trauungsſtunde in Lindenheim eingetroffen war.

Als ſich das Hochzeitspaar von dem Geiſtlichen und den beiden Trauzeugen verabſchiedet hatte, em⸗ pfahl ſich auch Kratzeiſen, der bei dieſer feſtlichen Ge legenheit ſeinen neuen ſchwarzen Frack, den er ſich für ſeine Abgeordneten⸗Laufbahn hatte anfertigen laſſen, eingeweiht hatte. Kölblich und Aegidius gingen allein nach dem Benefiziatenhauſe.

Unterwegs erkundigte der junge Mann ſich nach Anna, von der ihr Onkel natürlich nichts weiter zu ſagen wußte, als daß ſie ſich geſund befinde.

Haben Sie inzwiſchen von mir zu ihr geſprochen? fragte Aegidius.

Von Dir? entgegnete Kölblich,mit keiner Silbe. Weißt Du, ich rede nicht gern in den Tag hinein. Ei, Sie werden doch die Verlobung Ihrer Nichte

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