Bette. Schon war er im Begriffe einzuſchlafen, als etwas in ſein Zimmer huſchte, es war Apollonia. Sie überſchüttete ihn mit den zärtlichſten Verſicherungen ihrer Liebe, verlangte ihm die heiligſten Eidſchwüre für ſeine unverbrüchliche Treue ab, wechſelte mit gluht⸗ hauchenden Küſſen und beſorgnißſchweren Thränen ab, kurzum benahm ſich ſo, daß der von Liebe und Punſch erregte junge Mann ſich förmlich im Delirium befand. Als Apollonia nach etwa einer Stunde ſich lautlos zurück nach ihrem Stübchen ſchlich, hatte ſie für ihren künftigen Gatten keine weitere Gunſt mehr aufbewahrt.
Jetzt war ſie nach Art des Characters von Emil ſeiner ſicher. Zum Erſtenmale ſeit ihrer Heimkehr aus der Hauptſtadt ſchlief Apollonia zufrieden ein.— Es iſt für manches Mädchen wirklich keine kleine Auf⸗ gabe ſich unter die Haube zu bringen.—
Im Benefiziatenhaus ging äußerlich auch Alles ſeinen gewohnten Gang. Der Herr Benefiziat Kölb⸗ lich verbrachte den größten Theil ſeines Tages im alten Lehnſtuhl vor dem alten Schreibtiſch, ganz wie immer, und die alte Gertrud ſchimpfte ſich und andere Leute mit und ohne Grund den ganzen Tag wie im⸗ mer. Das war aber Alles nur äußerlich.*
Die Vormundſchaftsbehörde hatte Aegidius ſein Vermögen ausgehändigt und nach Anerkennung aller Vormundſchaftsrechnungen dem Benefiziaten ſein be⸗ trächtliches Legat ausbezahlt. Der Benefiziat hatte daſſelbe, ſo wie er es erhalten— ſämmtliche Papiere, Urkunden, Pfandbriefe u. ſ. w. verſchnürt, wie ſie ihm übergeben worden waren, nachdem er ſich die Vor⸗


