12 zurück nach Sternheim, von dort ein Kette zu holen, indeß die Uebrigen Wache bei dem Thiere halten mußten. Nach vielen ſchlauen Manövern hatten ſie endlich, ohne das Thier berühren gemußt zu haben, der Rieſenſchlange die Kette übergeworfen und zogen ſie im Triumph nach Sternheim zurück, wo ſie im Gemeindeſtadel feſtgelegt und abwechſelnd von je zwei
Burſchen des Orts, die ſich mit Heugabeln bewaffnet
hatten, bewacht wurde.— Früh am Morgen kam der
Knecht des Bräuereibeſitzers aus Kindeheine um nach⸗ ſitz
zufragen, ob von ſeiner Herrin, die geſtern Abend bei
der Rückkehr von einer Schlittenparthie durch Stern⸗
heim gekommen, nicht ein verloren gegangener brauner Boa geſunden worden ſei.— Er war gefunden worden und lag an der Kette, die Sternheimer aber hatten den Spottnamen„die Schlangenfänger“ weg.
Auf der Landſtraße, die von Lindenheim nach Sternheim führt, fährt ein offener Zweiſpänner. Pferde und Wagen find alt und invalid, wenn der Kutſcher nicht Hut und Spenſer eines Poſtillons trüge, würde man die elende Fortbewegungsmaſchine für alles Andere eher halten, als ſie iſt: eine Extrapoſt. Der Staat nimmt für ſich das Vorrecht in Anſpruch, die elendeſten Perſonentransportmittel gegen die höchſten Taxen abzugeben, dafür aber gibt er ſich noch Mono⸗ pole. Nur der Poſt iſt es erlaubt, Relais zu be⸗ nützen, der Privatfuhrhalter, der ſeinen Kunden an⸗ ſtändige Wagen anbieten würde, darf ſich unterlegter Pferde nicht bedienen; man nennt dieſen Zwang Ge⸗ werbefreiheit. In der klappernden, ächzenden, in allen


